Langsam ist es eine Schande, ein Bürger Österreichs zu sein. Endlich, nach über zwanzig anderen europäischen Staaten (darunter Spanien, Ungarn, Albanien, etc.), gibt es einen Gesetzesentwurf für eingetragene Partnerschaften für Homosexuelle. Es hat jahrzehntelange Arbeit und Druck erfordert, so weit zu kommen – und nicht zuletzt der SPÖ ist dieser Schritt nach vorne zu verdanken.
Doch was muss man da lesen? Kaum gibt es einen Schritt nach vorne, wird schon wieder ein halber zurück gemacht! Die ach so liberale ÖVP-Hoffnung Justizministerin Claudia Bandion-Ortner hat sichergestellt, dass diese Partnerschaften nicht am Standesamt geschlossen werden dürfen, sondern auf Bezirkshauptmannschaften oder Magistraten (also zwischen Passausstellungen und Meldezetteln) – um nur ja nicht die braven, „normalen“ Ehen durch Infizierung mit Homosexualität zu zerstören. Das erinnert mich stark an Toiletten mit der Aufschrift „for whites only“.
Gut, jetzt ist das ein wichtiger Schritt nach vorne. Denn bei dieser „Ehe light“ geht es nicht nur um das öffentliche Bekenntnis, sondern vor allem um handfeste Probleme wie etwa das Besuchsrecht im Spital oder das Mietrecht. All das ist wesentlich wichtiger als die Frage, wo sie jetzt geschlossen wird. Deshalb wäre es trotzdem richtig von der SPÖ, diesem Vorschlag zuzustimmen – denn die Alternative heißt „gar nichts“.
Trotzdem ist es eine Schande für ein mitteleuropäisches Land, das jetzt schon über 60 Jahre Übung in Demokratie und Menschenrechten haben sollte, dass eine Gleichstellung der Liebe nicht möglich ist. Die ÖVP beweist einmal mehr, dass sie eine antimoderne, klerikale Partei ist, der die Meinung einzelner über die Gleichheit aller Menschen vor dem Recht geht.
Update: Hier eine gute Zusammenfassung und Stellungnahme der Homosexuelleninitiative Wien (eine der bedeutendsten Interessenvertretungen für LGBT-Anliegen in Österreich) zum Gesetzesvorschlag.
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