Wer hätte das gedacht? Nach Russlands so vorhersehbarem wie folgenschwerem Verhalten in der Kaukasus-Krise, machte die EU Anstalten, sich auf Georgiens Seite zu stellen. Die Spötter riefen aus allen Winkeln Europas, die EU würde wieder mal ein Papiertiger sein, der sich weder einigen kann, noch in der Lage ist, etwas zu erriechen. Sie würde beim ersten Finger Russlands am Gashahns einknicken. Doch es kam anders.
Sarkozy flog nach Moskau, um über den Friedensplan zu verhandeln. Noch während er im Flugzeug saß, wurde er desavouiert, und Moskau nahm an. Er wurde zwar der Form halber in Empfang genommen, aber dabei blieb es auch.
Einige Zeit später wurde klar, dass das für Moskau nur Lippenbekenntnisse waren. Russland dachte nicht daran, sich zurückzuziehen, schon gar nicht hinter die Grenzen vor Ausbruch des Konflikts. Da wurde selbst Brüssel klar, dass irgendetwas geschehen müsse.
Sarkozy flog wiederum nach Moskau, und erreichte, dass Russland versprach, sich diesmal aber wirklich und ganz echt aus Georgien zurückzuziehen. Unter der Garantie der EU, dass Georgien sich von nun an benehmen würde. Ich hatte ja meine Zweifel, ob es was bringen würde.
Es freut mich, dass ich widerlegt wurde. CNN berichtet, Russland sei auf demRückzug. Dies wird nicht nur von anderen Medien (wie etwa der Presse oder dem Standard) bestätigt, sondern auch von Georgien. Noch seien Russlands Truppen in einer Sicherheitszone rund um Südossetien und Abchasien, allerdings würden sich auch diese zurückziehen, sobald die internationalen Beobachter (unter anderem 200 aus der EU) ankämen.
Es ist zu früh für knallende Sektkorken, aber Sarkozy hat gute Arbeit geleistet. Die EU trat zum ersten Mal seit langem geeint auf (nur über die Heftigkeit der Reaktion gab es Differenzen), und hatte einen Erfolg. Nicht mit Muskelspielchen und Drohungen, sondern mit kluger Diplomatie.
Das lässt für die Zukunft hoffen und beweist einmal mehr, dass Europa nur eine Chance hat, wenn es geeint ist.
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