Das schlägt der Demokratie die „Krone“ ins Gesicht!
Hans Dichand, der Herausgeber des 3-Millionen-Leser starken Boulevardblatt „Krone“ (das den Namen Zeitung nicht verdient), hat heute in einem Interview gemeint, er könne sich Josef Pröll (Vizekanzler und ÖVP-Chef) als Bundeskanzler und Erwin Pröll (dessen Onkel und Landeshauptmann Niederösterreichs) als Präsidenten gut vorstellen. Meine erste Reaktion war ungläubiges Erstaunen.
Ist der denn jetzt größenwahnsinnig geworden? Will er sich jetzt Kanzler und Präsidenten (der in Österreich, anders als in Deutschland, direkt gewählt wird) aussuchen? Sonst noch was, der Herr? Ach ja, es sei ihm klar, dass es davor noch eine demokratische Wahl geben muss. Zu gnädig, Monsieur Zeitungszar. Als einzige Bedingung will er, dass die ÖVP ihren Pro-EU-Kurs aufgibt.
Diese Verstrickung von Medienmacht und politischer Macht ist für unsere Demokratie gefährlich. In Italien sehen wir, was dabei rauskommen kann. In Österreich gibt es auch das Problem, dass fast alle Zeitungen über verschiedene, aber doch teils gemeinsame Eigentümer unglaublich eng verflochten sind. In dieser Hinsicht ist der österreichische Zeitungsmarkt kleiner als die meisten anderen. Selbst Albaniens Demokratie ist da weiter fortgeschritten, obwohl sie weniger Erfahrung damit haben.
Und Bundeskanzler Faymann darf ich hier nicht unerwähnt lassen. Er hat sich vor etwa einem Jahr der „Krone“ verkauft. In seinem berüchtigten Leserbrief änderte er die Parteilinie der SPÖ zur EU massiv. Das hat ihm einige Wochen bis Monate schriftliche Schützenhilfe gebracht. Doch jetzt bekommt er die Rechnung serviert. Herr Dichand ist nämlich, so Insider, in erster Linie deswegen sauer, weil Faymann angeblich zu viele Inserate im Konkurrenzblatt „Österreich“ schalten lasse. Ob das stimmt, weiß ich nicht – aber allzu verwundert wäre ich nicht. Immerhin würde es den Schwenk des Eigentümers und Herausgebers jenes Blatts, das etwa 42% der Österreicher jeden Tag als Haupt-“Informations“quelle beziehen, erklären.
Statt ein eigenständiges inhaltliches Programm zu entwickeln, hat Faymann eine Wischi-Waschi-Lächel-Politik betrieben, und auf gelegentlichen sozialpolitischen Aktionsinsmus gesetzt. Eine Vision, für die man arbeitet, die auch Ecken und Kanten hat, sieht anders aus. Das hat er jetzt davon.
Übrigens, wenn man Ideen hat, kann man auch gegen die Krone reigeren. Schüssel hat das erst im Jahr 2000 bewiesen, als er gegen den ausdrücklichen Willen Dichands die erste schwarz-blaue Regierung gebildet hat. Trotz Schüssels entsetzlicher Politik, das muss man ihm lassen – er hat Dichand den Platz zugewiesen, der ihm gebührt. Nämlich der des Berichterstatters, nicht des Machers.
Apropos Demokratie: Am Sonntag, den 21. Juni, um 19:00 Uhr findet vor dem Parlament eine Demonstration statt, die Solidarität mit den Iranern bekunden wird, die jetzt gegen die Mullahs demonstrieren. Ich werde vermutlich dort sein. Hier ist es ein Kinderspiel, zu demonstrieren – im Iran ein Wagnis. Wer sein Leben für die Demokratie riskiert, braucht Unterstützung.
Tags: Österreich, Boulevard, Brief, Demokratie, Dichand, EU, Faymann, Herausgeber, Inserate, Kanzler, Krone, Medien, Politik, Präsident, Pröll, Zeitung
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