Die spinnen, die Republikaner.
Die Partei der Republikaner steht offensichtlich unter Schock. Jetzt drehen sie langsam durch, weil sie über die Ungerechtigkeit empört sind, dass so ein liberaler Neger drauf und dran ist, ihre gottgewollte konservative Machtperiode langfristig zu durchbrechen. Nur zur Erinnerung: in den vier Jahrzehnten zwischen 1968 und 2008 wurden genau 3 (!) Mal ein Demokrat zum Präsidenten gemacht. Davon Bill Clinton zwei mal. Und jetzt kommt auf einmal so ein dahergelaufener Immigrantensohn daher, und hat in der amerikanischen Bevölkerung seit Monaten stabile 60% Zustimmung zu seiner Politik? Nachdem er sich schon die Unvershämtheit geleistet hat, tief republikanische Staaten wie Virginia, North Carolina und Indiana zugewinnen? Außerdem halten die Demokraten die Mehrheit im Kongress, und es sieht so aus, als würde sich daran so schnell nichts ändern. Und als ob das nicht schon der Frechheit genug wäre, nominiert er einfach so eine hispanische Frau als Supreme Court-Richterin. Doch das allerschlimmste für den Original-Redneck ist, dass die durchschnittlichen Amerikaner deutlich liberaler werden in ihren Ansichten. Immer weniger finden die Diskriminierung von Schwulen und Lesben in Ordnung, immer weniger sind gegen eine allgemeine Krankenversicherung. Immer weniger sind gegen dummer und unnötige Kriege wie den im Irak. Immer weniger halten den Sozialismus für vom Teufel persönlich erfunden.
„Ja, wo kommen wir denn da hin?“, empört sich der gestandene Konservative. Und diese Empörung treibt immer seltsamere Blüten. Da wird Obama schon mal mit Hitler verglichen, und die Essensversorgung von hungrigen Kindern als Angriff auf die traditionelle Familie verstanden. Äußerst amüsant spottet der Fernsehkommentator Keith Olbermann über die drei „worst persons in the world“, wie er sie in seine Fernsehshow „Countdown“ nennt. Der Fernsehkanal MSNBC, für den er arbeitet, stellt jeden Tag seine Show online – hier das Video, in dem er die oben beschriebenen Vollkoffer angreift.
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Juni 25, 2009 at 22:40
Olberman ist wie Rush Limbaugh, nur von der anderen Seite: Seine Sendung ist sehr einseitig.
Der Hinweis auf die Rasse von Sotomayor ist außerdem vollkommen aus der Luft gegriffen: Zunächst wurde sie schon überhaupt von George H. W. Bush zur Bundesrichterin ernannt. Außerdem waren Emilio Garza und Alberto Gonzales zwei mögliche Supreme-Courte Kandidaten von George W. Bush. Diese sind ebenfalls Hispanic, die Demokraten haben aber u.A. für diesen Fall mit einem Filibuster gedroht.
Sotomayor durch folgende Äußerung aufgefallen: „I would hope that a wise Latina woman with the richness of her experiences would more often than not reach a better conclusion than a white male who hasn’t lived that life.“. Wenn man „wise Latina“ und „white male“ hier vertauschen würde, würdest Du das vermutlich als rassistisch bezeichnen.
60% Approval Rating ist außerdem im ersten Jahr überhaupt nichts besonderes, Bush hatte ähnliche Werte.
Und zum Vergleich von Obama und Hitler: Gib im Google mal Bush und Hitler ein!
Juni 26, 2009 at 16:40
1) Zu Olbermann/Limbaugh:
Richtig. Das ist auch nichts Schlechtes. Im Gegenteil, eine Demokratie lebt unter anderem davon, dass sehr kontroversielle Standpunkte eine Plattform bekommen. Was für mich den Hauptunterschied zu Rush Limbaugh ausmacht, ist, dass Olbermann auch ein Publikum anspricht, dessen IQ über der Raumtemperatur liegt.
2) Bush und hispanische Nominierungen:
Unter Bush #41 gab es allerdings keine heftig und hässlich geführte Immigranten-Debatte, die nun einmal sehr viele hispanische Einwanderer betrifft.
3) Sotomayor als Rassistin?
Nein, würde ich es nicht. Nicht, wenn der Kontext etwas so völlig anderes aussagt. Ich fürchte, du bist hier den Konservativen in die Falle getappt, die sich auf einen einzigen Satz stürzen, ihn aufblähen, und dann alles andere ignorieren. Vielleicht möchtest du die komplette Rede lesen, in der er vorkam: http://www.nytimes.com/2009/05/15/us/politics/15judge.text.html?pagewanted=1
Allein im unmittelbaren Kontext wir schon klar, wieso es hier eigentlich völlig abwegig ist, von Rassismus auszugehen:
“Whether born from experience or inherent physiological or cultural differences, a possibility I abhor less or discount less than my colleague Judge Cedarbaum, our gender and national origins may and will make a difference in our judging. Justice O’Connor has often been cited as saying that a wise old man and wise old woman will reach the same conclusion in deciding cases. I am not so sure … that I agree with the statement. First, as Professor Martha Minnow has noted, there can never be a universal definition of wise. Second, I would hope that a wise Latina woman with the richness of her experiences would more often than not reach a better conclusion than a white male who hasn’t lived that life.
Let us not forget that wise men like Oliver Wendell Holmes and Justice Cardozo voted on cases which upheld both sex and race discrimination in our society. Until 1972, no Supreme Court case ever upheld the claim of a woman in a gender discrimination case. I, like Professor Carter, believe that we should not be so myopic as to believe that others of different experiences or backgrounds are incapable of understanding the values and needs of people from a different group. Many are so capable. As Judge Cedarbaum pointed out to me, nine white men on the Supreme Court in the past have done so on many occasions and on many issues including Brown.
However, to understand takes time and effort, something that not all people are willing to give. For others, their experiences limit their ability to understand the experiences of others. Other simply do not care. Hence, one must accept the proposition that a difference there will be by the presence of women and people of color on the bench. Personal experiences affect the facts that judges choose to see. My hope is that I will take the good from my experiences and extrapolate them further into areas with which I am unfamiliar. I simply do not know exactly what that difference will be in my judging. But I accept there will be some based on my gender and my Latina heritage.
…
Each day on the bench I learn something new about the judicial process and about being a professional Latina woman in a world that sometimes looks at me with suspicion. I am reminded each day that I render decisions that affect people concretely and that I owe them constant and complete vigilance in checking my assumptions, presumptions and perspectives and ensuring that to the extent that my limited abilities and capabilities permit me, that I reevaluate them and change as circumstances and cases before me requires. I can and do aspire to be greater than the sum total of my experiences but I accept my limitations. I willingly accept that we who judge must not deny the differences resulting from experience and heritage but attempt, as the Supreme Court suggests, continuously to judge when those opinions, sympathies and prejudices are appropriate.“
4) Sind 60% viel?
Ist dir klar, dass eben jene Quelle, die du angibst, besagt, dass er seit Anfang/Mitte April seiner ersten Amtszeit konstant unter 60% lag? Gut, er lag teilweise nur knapp darunter (mit etwa 57%) – doch er hat auch keine heißen Eisen anpacken müssen. Er hatte keine Wirtschaftspolitik zu fahren, die in den historisch sehr wirtschaftsliberalen USA auf heftigen Widerstand stößt. Er musste auch nicht erklären, wieso er nach mehreren Monaten im Amt immer noch nicht den Planeten vor allem Übel gerettet und ein Utopia herbeigeführt hat.
Wenn man also bedenkt, dass Obama bei höheren Erwartungen dun größeren Problemen am Anfang seiner Amtszeit immer noch populärer war als Bush, ergibt sich ein recht klares Bild.
Wirklich nach oben gesprungen sind Bush’s Umfragewerte erst mit 9/11.
5) Bush-Hitler-Vergleiche:
Halte ich auch nicht für richtig. Ist ein ebensolcher Schwachsinn, der noch dazu verharmlost. Bloß: Kamen solche Vergleiche von Demokraten mit Rang und Namen?
Juni 26, 2009 at 21:48
1) Das ist Ansichtssache. Leute wie Limbaugh und Olbermann bedienen die Erwartungen ihres Publikums. Für jemanden, der die Erwartungen nicht teilt kann sich das z.T. recht bescheuert anhören. Wenn z.B. für Olbermann eine Bezirksvorsteherin der republikanischen Frauen die schlimmste Person der Welt ist (am 24. Juni, man könnte meinen, dass er zumindest im Iran auch einige Kandidaten für den „Preis“ finden könnte).
3) Du würdest nichts dabei finden, wenn jemand sagen würde:
Der ganze Zusammenhang, in dem das steht macht es nicht besser, sondern noch viel, viel schlimmer:
Sie stellt also die Möglichkeit in den Raum, dass „physiologische Unterschiede“ dazu führen, dass Latina-Frauen ein besseres Urteil fällen als weiße Männer.
Ich will nicht behaupten, dass Sotomayor einen Rassistin ist. Ich sage nur, dass wenn ein weißer Mann diese Rede gehalten hätte, dann wäre er als Rassist bezeichnet worden. Und das auch durchaus zu Recht.
4) Du hast natürlich schon recht, dass es Bush da leichter hatte. Andererseits muss man auch sagen, dass die Approval-Ratings in Krisen oft auch höher sein können, wie man bei Bush-9/11 sieht.
5) Naja, Thomann ist eine Bezirksvorsitzende der republikanischen Frauen – nicht gerade das, was man als „Rang und Namen“ bezeichnen kann.
z.B. John Glenn, ehemaliger demokratischer Senator von Ohio verglich die Wahlkampfmethoden der Republikaner bei der Bush-Kerry Wahl mit „Hitler business“.
z.B. George Soros. Er ist ein bedeutender Unterstützer der demokratischen Partei. Ihn erinnerte die Rhetorik der Bush-Regierung an die Nazis.
Juni 28, 2009 at 23:16
1) Natürlich, stimmt. Nur – kann es nicht auch sein, dass es gut ist, dass beide Seiten ein Forum haben, wo sie sich wiederfinden? Statt zu Tode gelangweilt versumpfen oder sich noch radikaleren, illegalen Gruppen anschließen? Vor allem aber – viele, die sich eher in der Mitte befinden, können doch anhand solcher Unterschiede leichter eine Meinung bilden, wem sie der Tendenz nach eher nahe stehen. (Mir zumindest geht es so.)
3) Ok, vielleicht habe ich meine Position dazu nicht klar genug gezeigt.
Schau, ich lese ihre Rede so, dass sie sagt, dass es diese Unterschiede nun einmal gibt. Das mag uns passen oder nicht, aber Frauen sehen die Welt anders als Männer, Minderheiten anders als Mehrheiten, etc. Schon wegen ihrer unterschiedlichen Erfahrungen. Und da sie nun einmal sowohl eine Frau, als auch eine Latina ist, sieht sie die Welt anders. Das bedeutet auch, dass sie – weil sie ja täglich daran erinnert wird – nie vergisst, dass die Welt auch Scheiße sein kann, wenn man nicht zu den Privilegierten zählt. Und wenn man den Benachteiligten nahe steht – die, für die das Recht ja gemacht ist, damit sie eben nicht nach dem Faustrecht unterdrückt werden -, ist es wahrscheinlicher, dass man auch an die Auswirkungen auf die Schwächsten achtet. Sie schreibt explizit, dass auch ältere, weiße Männer das können – aber bei ihnen ist es nun einmal nicht annähernd so selbstverständlich. Und deshalb hofft sie eben, dass Leute wie sie wahrscheinlicher sind, daran zu denken. Und durch dieses intensivere Nachdenken hoffentlich bessere Urteile fällen.
So verstehe ich sie zumindest. In diesem Zusammenhang habe ich kein Problem damit. Siehst du massive inhaltliche Fehler in meinem Verständnis ihrer Rede?
(Übrigens, die Übersetzung war nicht nötig – ich habe einige Zeit in den USA gelebt und traue meinen Englischkentnissen einigermaßen über den Weg
4) Stimmt auch wieder. Andererseits – Bush hat gerade wegen der Krise nocheinmal eine Popularitätsdelle abbekommen. Kommt sicher auf den Einzelfall an. Wenn’s an’s Geldbörsel geht, denke ich, kann man als Staatsmann fast nichts richtig machen…
5) Danke für den Hinweis. Ist natürlich genauso bescheuert. Auch bescheuert – Godwin’s Law eben ^^